Neuchâtel liegt dort, wo der Jura ins Wasser kippt. Die Altstadt zieht sich vom Ufer des Neuenburgersees die Hänge hinauf bis zum Schloss, und wer am Bahnhof aussteigt, sieht zuerst die gelben Sandsteinfassaden der Unterstadt, dann den See dahinter. Rund 45'000 Menschen leben in der Gemeinde, dazu kommen jeden Tag tausende Studierende der Universität. Wer Sehenswürdigkeiten sucht, findet Schloss, Stiftskirche und gleich zwei städtische Museen, dazu vor den Toren der Stadt das grösste archäologische Museum der Schweiz. Wer wissen will, wie der Alltag hier funktioniert, geht besser auf den Markt an der Place des Halles, badet im Nid-du-Crô oder nimmt den Fun'ambule zur Universität. Dieser Artikel zeigt beides.
Zwischen See und Jura
Neuchâtel liegt am Nordufer des Neuenburgersees. Zur Gemeinde gehören neben der eigentlichen Stadt auch Serrières, Chaumont, Corcelles-Cormondrèche, Peseux und Valangin. Auf 22.91 Quadratkilometern leben 44'898 Menschen, mehr als die Hälfte der Fläche ist bewaldet, gut ein Drittel Siedlungsgebiet. Amtssprache ist Französisch, erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1011. Die Altstadt liegt am Seeufer, das Villenviertel und der Wald ziehen sich den Jurahang hinauf bis zur Krete, wo bei klarem Wetter die Alpenkette sichtbar wird.
Ankommen und sich bewegen
Von Bern erreicht der Zug Neuchâtel in rund 34 Minuten, von Zürich dauert die Fahrt seit der Fahrplanumstellung 2025 mit Umsteigen in Renens etwas mehr als anderthalb Stunden. In der Stadt selbst helfen drei Standseilbahnen über den Höhenunterschied zwischen See und Oberstadt hinweg. Der Fun'ambule fährt seit dem 27. April 2001 unterirdisch zwischen Bahnhof und Universitätsviertel am See, die 330 Meter lange Strecke überwindet 46 Höhenmeter in ein bis zwei Minuten und kann bis zu 3000 Personen pro Stunde befördern. Seine beiden Wagen heissen Maxime und Léa, benannt nach den Neugeborenen zweier Bauarbeiter, die während des Tunnelbaus zur Welt kamen. Wer höher hinaus will, nimmt den Funiculaire de Chaumont: Seit 1910 verbindet er auf gut zwei Kilometern Streckenlänge den Stadtteil La Coudre mit dem 1087 Meter hohen Hausberg Chaumont, oben wartet ein Aussichtsturm mit Blick auf das Drei-Seen-Land und die Alpen.
Schloss, Stiftskirche und die Treppen dazwischen
Vom Bahnhof führt die Rue du Château hinauf zum Schloss, wer lieber am See beginnt, folgt dem Quai Ostervald über die Passerelle de l'Utopie zur Place Pury und steigt von dort über die Rue du Seyon und die Fontaine du Banneret zur Oberstadt auf. Der älteste Teil des Schlosses, ein Wohntrakt aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert, ist bis heute in Gebrauch: Hier sitzt die Kantonsregierung, der Innenhof steht frei offen, geführte Besichtigungen finden von Juni bis September dienstags bis sonntags um 14, 15, 16 und 17 Uhr statt, Eintritt 5 Franken. Direkt daneben erhebt sich die Stiftskirche, deren Bau im 12. Jahrhundert begann; ihr gotischer Kreuzgang ist frei zugänglich und im Sommer mit Blumen bepflanzt. Wer die vielen Treppenstufen zur Oberstadt scheut, findet an der Rue de l'Evole einen kleinen Lift hinauf zur Tour des Prisons, von der aus der Blick über die Dächer der Unterstadt bis zum See reicht.
Baden, Rebberge und ein Garten im Ermitage-Tal
Im Sommer gehört Baden zum Alltag. Die Piscine du Nid-du-Crô, 1990 eröffnet, kombiniert auf 33'000 Quadratmetern ein olympisches 50-Meter-Becken, eine Sprunganlage mit Plattformen bis 10 Meter und einen direkten Kieselstrand am See; der Zugang zum Seeufer selbst ist gratis, für Becken und Rasenflächen wird in der Sommersaison 7.– CHF Eintritt fällig. Wer lieber Pflanzen als Wasser sucht, findet im Vallon de l'Ermitage den Jardin Botanique: 1998 angelegt, acht Hektaren gross, mit Alpinum und Gewächshäusern, ganzjährig gratis zugänglich. Wer die Rebberge sehen will, muss nicht weit: direkt südwestlich der Stadt liegen einige der wichtigsten Weinbauhänge des Kantons, auf denen vor allem Chasselas und Pinot Noir wachsen.
Museen: viel mehr als Kunst
Neuchâtel hat für seine Grösse aussergewöhnlich viele Museen. Das Musée d'art et d'histoire (MAHN), 1885 im Renaissancestil des Architekten Léo Châtelain eröffnet, zeigt auf über 20 Sälen Kunst und Regionalgeschichte; berühmt sind die drei Automaten von Pierre Jaquet-Droz aus den Jahren 1768 bis 1774, die jeden ersten Sonntag im Monat vorgeführt werden. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, Erwachsene zahlen 8 Franken, Studierende und Rentner 4, mittwochs ist der Eintritt gratis. Das Musée d'ethnographie (MEN), seit 1904 in der Villa de Pury oberhalb der Stadt untergebracht, zeigt Objekte aus aller Welt und liegt gleich neben dem Schloss. Ausserhalb der Stadt, im nahen Hauterive direkt am See, liegt das Laténium: das grösste archäologische Museum der Schweiz, 2001 eröffnet, erzählt auf 2200 Quadratmetern von 500 Jahrhunderten Regionalgeschichte. Es ist montags geschlossen, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr offen, kostet 12 Franken für Erwachsene, 4 für Ermässigte, und ist am ersten Sonntag jedes Monats gratis.
Xamax, Young Sprinters und ein Bad im Anschluss
Fussball und Eishockey sind die grossen Mannschaftssportarten der Stadt. Der Young Sprinters Hockey Club trägt seine Heimspiele in der Patinoire du Littoral aus, auch der Fussballverein Neuchâtel Xamax FCS ist hier zuhause. Wer selbst aktiv werden will, findet bei den Piscines du Nid-du-Crô neben den Becken auch Beachvolleyball- und Tischtennisplätze sowie einen Sprungturm bis 10 Meter.
Markt, Case à Chocs und Studierendenleben
Der Markt findet auf der Place des Halles statt, samstags zusätzlich auch in der Rue du Seyon: in der warmen Jahreszeit dreimal wöchentlich, im Winter zweimal, mit 30 bis 50 Ständen für Gemüse, Käse, Seefisch, Fleisch vom Hof, Blumen und Gebäck. Samstagmorgens ist am meisten los, dann sitzen die umliegenden Restaurants und Terrassen voll. Kleinere Quartiermärkte gibt es freitags in Valangin, auf dem grossen Parkplatz am Fuss des dortigen Schlosses, und in Peseux auf der Place de la Fontaine. Für das Nachtleben sorgt vor allem die Case à Chocs: 1991 als Übungsraum des Vereins der Neuenburger Musiker gegründet, zog sie 1996 in die ehemalige Brauerei Müller am Quai Philippe Godet, wo sie heute mit drei Sälen für 80 bis 820 Personen Konzerte, DJ-Abende und Kino zeigt. Die Universität Neuchâtel sorgt für ein junges Publikum in der Stadt, gerade in den Vierteln rund um den Fun'ambule und den See.
Wenn im Herbst die Trauben reif sind
Den Jahreshöhepunkt markiert die Fête des Vendanges, die Weinlese-Feier am letzten Septemberwochenende, von Freitag 18 Uhr bis Sonntag Mitternacht. Ein erster Umzug fand 1900 statt, seit 1902 gibt es die Feier regelmässig, 1925 wurde ein eigener Verein gegründet, der sie bis heute organisiert. Der Höhepunkt ist der Blumenkorso am Sonntagnachmittag, der über 100'000 Zuschauer an die Strecke bringt, insgesamt zählt das Fest an drei Tagen bis zu 340'000 Besucherinnen und Besucher. Ausgeschenkt werden die Weine der Region, allen voran der lokale Chasselas, hier Neuchâtel blanc genannt, und der Roséwein Œil-de-Perdrix. Ausserhalb der Festtage bleibt die eigentliche Weinernte im Rebgebiet südwestlich der Stadt ein eher stilles Ereignis.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Zugfahrt von Bern nach Neuchâtel?
Der Zug braucht rund 34 Minuten. Quelle: Bahnverbindung Bern–Neuchâtel.
Sind die Museen in Neuchâtel an einem bestimmten Tag gratis?
Das Musée d'art et d'histoire ist mittwochs gratis zugänglich, das Laténium am ersten Sonntag jedes Monats.
Wo kann man in Neuchâtel im See baden?
Am beliebtesten sind die Piscine du Nid-du-Crô mit Kieselstrand und direktem Seezugang.
Wann findet der Markt in Neuchâtel statt?
Der Markt steht auf der Place des Halles, samstags zusätzlich in der Rue du Seyon: in der warmen Jahreszeit dreimal wöchentlich, im Winter zweimal.
Wann ist die Fête des Vendanges in Neuchâtel?
Sie findet jeweils am letzten Septemberwochenende statt, von Freitagabend bis Sonntagmitternacht, mit dem grossen Blumenkorso am Sonntagnachmittag.
Wie kommt man vom Bahnhof zum See hinunter?
Am schnellsten mit dem unterirdischen Fun'ambule, der Bahnhof und Universitätsviertel in ein bis zwei Minuten verbindet.
Was kostet der Eintritt ins Schloss Neuchâtel?
Die geführte Besichtigung kostet 5 Franken und findet von Juni bis September dienstags bis sonntags statt; der Innenhof ist ganzjährig frei zugänglich.



