Uster liegt am östlichen Ufer des Greifensees, 13 Kilometer von Zürich entfernt, und ist mit rund 37'293 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 31. Oktober 2024) die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich, nach Zürich und Winterthur. Ihre heutige Bedeutung hat die Stadt vor allem dem Ausbau des S-Bahn-Netzes des Zürcher Verkehrsverbunds zu verdanken, der Uster seit den 1990er-Jahren enger an Zürich rückte. Wer mit der S-Bahn kommt, steht nach 14 Minuten am Hauptbahnhof Zürich. Trotz der Grösse gibt es in der Stadt nur eine einzige Verkehrsampel: Fast alle Kreuzungen wurden durch Kreisel ersetzt, was Uster den Übernamen «Kreiselstadt» eingebracht hat. Wer länger bleibt, findet einen See mit Ruder-, Segel- und Tauchclubs, zwei Bäder, ein Museum für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Fabrikareal Zellweger, das Schweizer Jazzarchiv und, eine S-Bahn-Station weiter in Aathal, das grösste paläontologische Museum der Schweiz.
Vom Fabrikdorf zur drittgrössten Stadt
Uster wird 775 erstmals als Ustra villa in einer St. Galler Urkunde erwähnt. Den heutigen Kern bildete jahrhundertelang kein eigentliches Städtchen: Land und Schloss gehörten unterschiedlichen Herren, ein Altstadtkern entstand deshalb nie. Das um 1200 erbaute Schloss Uster steht bis heute auf dem Hügel über Kirchuster und beherbergt seit 1995 ein Internat. Am 22. November 1832 brannten enttäuschte Heimweber die Fabrik der Firma Corrodi & Pfister nieder, die mit den ersten mechanischen Webstühlen ausgestattet war: der Usterbrand, das bekannteste Beispiel eines Maschinensturms in der Schweiz. Gegen fünfzig Beteiligte wurden zu Ketten- und Gefängnisstrafen von bis zu 24 Jahren verurteilt. Nur zwei Jahre zuvor, am 22. November 1830, hatten in Uster 10'000 Landbewohner mehr demokratische Rechte gefordert, der sogenannte Ustertag. Er gilt als Ausgangspunkt der liberalen Kantonsverfassung von 1831. Die elf früheren Zivilgemeinden rund um Kirchuster, darunter Nänikon, Riedikon und Wermatswil, schlossen sich erst 1927 zur politischen Gemeinde Uster zusammen. 2001 erhielt die Stadt den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes für ihre Stadt- und Raumplanung, 2014 den Schulthess Gartenpreis für die Umwandlung des Aabachs vom Industriekanal in eine Parklandschaft.
Der Greifensee vor der Tür
Der Greifensee liegt direkt an der Stadt, mit Wegen für Velotouren, Inlineskating und einem Vitaparcours entlang des Ufers. Wer rudert, trifft auf den Ruderclub Uster, der an der jährlichen Ruderregatta auf dem See teilnimmt. Segeln, Windsurfen, Kitesurfen und Tauchen sind an mehreren Stellen möglich, ebenso Schwimmen im offenen Wasser. Das Kursschiff verkehrt zwischen Maur, Uster und zurück nach Maur. Zur Naherholung kommen im Stadtgebiet selbst der Stadtpark mit zwei Weihern sowie mehr als sieben Waldgebiete dazu, durchflossen vom Aabach, dem früheren Industriekanal, den die Stadt seit den 2000er-Jahren schrittweise renaturiert.
Zwei Bäder, ein See
Wer nicht in den See will, hat die Wahl zwischen zwei Freibädern. Die Dorfbadi im Zentrum besteht seit 1880 und ist ein kleines Becken mit Planschbecken und Spielwiese. Das Strandbad am Uferweg liegt direkt am Greifensee mit einem 50-Meter-Becken, zwei Beachvolleyballfeldern, einem Sprungturm bis 5 Meter Höhe und, von Oktober bis März, der «Sauna am See» in drei Fasssaunen. Es ist von Mai bis September geöffnet, Erwachsene zahlen CHF 6.50 Eintritt. Ganzjährig offen ist das Hallenbad Buchholz: Mit 6600 Quadratmetern gilt es als grösstes öffentliches Hallenbad der Schweiz, mit 50-Meter-Becken, 25-Meter-Sportbecken, 55-Meter-Rutschbahn und Wellnessbereich. Der Umbau kostete rund 40 Millionen Franken, die Wiedereröffnung war im Dezember 2016.
Kunst im Zellwegerpark
Das frühere Industrieareal der Zellweger Uster AG, im Volksmund einst «Verbotene Stadt» genannt, ist seit 2005 ein Wohnquartier mit Parklandschaft. Frei zugänglich stehen dort der «Cube» von Sol LeWitt (seit 2011), die «Moosfelsen» von Fischli/Weiss und die schwimmende Brücke «Drift Structure» von Tadashi Kawamata. 2022 eröffnete die Bechtler Stiftung, ein Museum für zeitgenössische Kunst. Im Zentrum steht «The 2000 Sculpture» von Walter De Maria, zweitausend Gipsobjekte in einem eigens dafür gebauten Saal, dazu die Videoinstallation «I Couldn't Agree With You More» von Pipilotti Rist. Zweimal im Jahr zeigt das Haus Wechselausstellungen, unter anderem waren bereits Sigmar Polke und Sylvie Fleury zu Gast. Geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr.
Jazz, Dampf und Schienen
Der Bahnhof Uster gehört zu den ältesten der Schweiz: Die Strecke Wallisellen-Uster der Glatthalbahn eröffnete 1856. Die Lokremise von 1857 mit ihren fünf um eine Drehscheibe angeordneten Lokständen ist die älteste erhaltene ihrer Art im Land. Seit 1995 nutzt sie der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland als Werkstatt; öffentliche Dampfzugfahrten zwischen Bauma und Hinwil finden am ersten und dritten Sonntag der Monate Mai bis Oktober statt, die Werkstatt selbst ist samstags von 9 bis 16.30 Uhr zugänglich. In derselben Lokremise zeigt die Stiftung Eisenbahn-Sammlung Uster historische Modellbahnanlagen. Für Jazzliebhaber ist Uster ein Begriff: Neben einem der bekanntesten Jazzclubs des Landes beherbergt die Stadt das SwissJazzOrama, das einzige Jazzarchiv der Schweiz, das die über hundertjährige Geschichte des Jazz im Land dokumentiert.
Der Ausflug zu den Sauriern
Eine S-Bahn-Station von Uster entfernt, in Aathal-Seegräben, liegt das Sauriermuseum Aathal, das grösste paläontologische Museum der Schweiz. Es ist seit 1992 in einer ehemaligen Spinnerei untergebracht und zeigt Original-Dinosaurierskelette aus eigenen Ausgrabungen im US-Bundesstaat Wyoming, dazu ein Meereskrokodil, einen Flugsaurier und eine Bernsteinsammlung. Gegründet hat es der Selfmade-Paläontologe Hans-Jakob Siber, der 2010 von der Universität Zürich ein Ehrendoktorat erhielt. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Montag geschlossen. Der Eintritt kostet CHF 22 für Erwachsene, CHF 18 für AHV, IV und Studierende, CHF 12 für Kinder von 5 bis 16 Jahren, eine Familienkarte CHF 60. Zum Museum gehören ein Spielgarten mit Grillstelle und eine Cafeteria. Mit dem Zug fährt die S14 bis zur Station Aathal, von dort sind es rund zehn Minuten zu Fuss; mit dem Auto stehen kostenlose Parkplätze bei der Strassenüberführung bereit.
Vereine, Judomatten und Halbmarathon
Mehr als 71 Sportvereine sind in Uster gemeldet. Der Judo Club Uster, gegründet 1964, zählt zu den grössten Judoclubs der Schweiz und stellt bei Frauen wie Männern ein Team in der Nationalliga A. Der UHC Uster spielt Unihockey ebenfalls in der höchsten Liga, der Nationalliga A. Beim Fussball ist der FC Uster in der 2. Liga interregional aktiv, der FC Rot Weiss Winikon, benannt nach dem Ortsteil Winikon-Gschwader, in der 4. Liga. Auf dem Sportgelände Buchholz liegen neben dem Hallenbad eine Sporthalle, eine Reitanlage, Tennis-, Squash- und Badmintonplätze, eine Kletterhalle sowie Boccia- und Minigolfbahnen. Seit 1980 findet Mitte September der Greifenseelauf statt, mit Start und Ziel in Uster; seit 1992 wird die Hauptdistanz als Halbmarathon gelaufen, dazu gibt es kürzere Strecken. 1998 war Uster Austragungsort der Halbmarathon-Weltmeisterschaften.
Märkte und Jahreszeiten
Der Uster Märt gilt als ältester Markt im Kanton Zürich und geht auf einen mittelalterlichen Vieh- und Warenmarkt zurück. Er findet jeweils am letzten Donnerstag im November und dem folgenden Freitag statt, mit rund 430 Marktständen und einem Landmaschinenmarkt mit rund 80 Ausstellern; für den Verkehr wird die Innenstadt an diesen Tagen gesperrt. Im April lockt seit 1997 der Frühlingsmarkt an der Zentralstrasse mit rund 160 Marktständen, im Herbst die Uster-Messe. Das ganze Jahr über prägen die Kreisel das Stadtbild, teils mit Kunstinstallationen bestückt, dazu die zehn Bahnübergänge, die zusammen mehr als 40 Minuten pro Stunde geschlossen sind. Die einzige Alternative ist eine 3,25 Meter hohe Unterführung beim Feuerwehrhaus, was in den achtziger Jahren zum Slogan «Uster, die lebendige Stadt hinter der Barriere» führte.
Ankommen und herumkommen
Vier Linien der S-Bahn Zürich halten in Uster: die S5 Richtung Zug und Pfäffikon SZ, die S9 aus Schaffhausen, die S14 nach Hinwil und die S15 nach Rapperswil beziehungsweise Niederweningen. Mit der S5 oder S15 dauert die Fahrt zum Hauptbahnhof Zürich 14 Minuten, im Halbstundentakt, sodass stündlich acht Züge nach Zürich fahren. Dazu kommt der Bahnhof Nänikon-Greifensee mit Anschluss an S9 und S14. In der Stadt selbst verkehren sieben lokale und sechs regionale Buslinien. Wer mit dem Auto kommt, erreicht Uster über drei Anschlüsse der Oberlandautobahn A53, die ausserhalb der Stadt in die drei kantonalen Hauptverkehrsachsen münden.
Häufige Fragen
Wie komme ich am schnellsten von Zürich nach Uster?
Mit der S-Bahn S5 oder S15 dauert die Fahrt ab Zürich Hauptbahnhof 14 Minuten, im Halbstundentakt.
Was kostet der Eintritt ins Sauriermuseum Aathal?
Erwachsene zahlen CHF 22, Kinder von 5 bis 16 Jahren CHF 12, Familienkarten CHF 60. Das Museum liegt eine S-Bahn-Station von Uster entfernt und ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Sonntag bis 18 Uhr, Montag geschlossen. Details beim Sauriermuseum.
Kann man im Greifensee bei Uster baden?
Ja, im Strandbad Uferweg direkt am See, mit 50-Meter-Becken, Liegewiese und Beachvolleyballfeldern, von Mai bis September geöffnet. Ganzjährig steht zusätzlich das Hallenbad Buchholz offen.
Warum heisst Uster «Kreiselstadt»?
Weil fast alle Kreuzungen der Stadt durch Kreisverkehre ersetzt wurden. Nur eine einzige Verkehrsampel ist noch in Betrieb.
Wann findet der Uster Märt statt?
Traditionell am letzten Donnerstag im November und dem folgenden Freitag, mit rund 430 Marktständen in der Innenstadt. Mehr dazu bei maerkte-uster.ch.
Was zeigt die Bechtler Stiftung im Zellwegerpark?
Im Zentrum steht «The 2000 Sculpture» von Walter De Maria, dazu die Videoinstallation «I Couldn't Agree With You More» von Pipilotti Rist sowie wechselnde Ausstellungen. Geöffnet Donnerstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Website der Bechtler Stiftung.



